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Kryptowährungen: Vertragsstreitigkeiten

Kryptowährungen: Vertragsstreitigkeiten

Streitigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungen: Vertragsstreitigkeiten

Im digitalen Zeitalter, in dem Kryptowährungen Finanztransaktionen transformieren, nehmen Vertragsstreitigkeiten im Zusammenhang mit diesen digitalen Vermögenswerten in der Schweiz zu. Unsere Kanzlei beobachtet eine erhebliche Zunahme von Rechtsstreitigkeiten zwischen Anlegern, Tauschplattformen und Blockchain-Projektentwicklern. Diese häufig komplexen Streitigkeiten werfen neuartige Rechtsfragen an der Schnittstelle von Vertragsrecht, Technologie und Finanzen auf.

Hauptquellen von Vertragsstreitigkeiten und Rechtsgrundlagen

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Arten von Vertragsstreitigkeiten im Krypto-Ökosystem, die anwendbaren Rechtsgrundlagen und Lösungswege:

Vertragstyp / Streitigkeit Hauptrechtsgrundlage Typische Rechtsmittel Anwendbares Recht
Allgemeine Geschäftsbedingungen der Exchange (Kontosperrung, Gebühren, Auszahlungsverweigerung) Art. 97 OR; Art. 2 ZGB (Treu und Glauben) Mahnung, vorsorgliche Massnahmen, Vertragsklage Schweizer Recht (wenn Tätigkeit auf CH ausgerichtet)
Defekter Smart Contract (DeFi, DAO, Protokoll) Art. 97 OR; Art. 41 OR (deliktische Haftung) Schadenersatzklage gegen Entwickler IPRG — Anknüpfung an Sitz der Entwickler
ICO / STO: Nichterfüllung des Whitepapers Art. 97-109 OR; Art. 28-31 OR (Täuschung/Irrtum); FIDLEG Vertragsauflösung, Schadenersatz, Strafanzeige Sitz des Emittenten + FIDLEG-Anknüpfungen
Institutioneller Custody-Vertrag Art. 472 ff. OR (Hinterlegung); KOLLG; FIDLEG Vertragsklage, FINMA-Meldung Schweizer Recht (CH-Einrichtung)
Mining- / Staking-Poolvertrag Art. 530 ff. OR (einfache Gesellschaft); Art. 305 OR Auflösungsklage, Vermögensteilung Schweizer Recht bei Gesellschaft in CH domiziliert
Tokenisierte Wertrechte Art. 973d ff. OR (DLT-Gesetz 2021) Rückgabeklage, Eintragungsannullierung Schweizer Recht bei Register in CH geführt

Typologie der Verträge im Zusammenhang mit Kryptowährungen im Schweizer Recht

In der Schweiz regeln verschiedene Vertragstypen Kryptowährungstransaktionen:

  • Tauschverträge zwischen Kryptowährungen und Fiat-Währungen
  • Smart Contracts mit ihren selbst ausführenden Klauseln
  • Custody-Verträge (Verwahrung digitaler Vermögenswerte)
  • Investitionsverträge in Blockchain-Projekte (ICO, STO)
  • Mining- und Staking-Verträge

Das DLT-Gesetz von 2021 hat das Konzept der eingetragenen Wertrechte (Art. 973d ff. OR) eingeführt und damit eine rechtlich gesicherte Tokenisierung von Vermögenswerten ermöglicht. Diese gesetzgeberische Innovation bietet erhöhte Rechtssicherheit für Verträge, die Kryptowährungen beinhalten.

Streitigkeiten im Zusammenhang mit Tauschplattformen

Die Beziehungen zwischen Nutzern und Tauschplattformen erzeugen zahlreiche Rechtsstreitigkeiten. Die wichtigsten Reibungspunkte betreffen:

  • Die unerwartete Kontosperrung bei KYC/AML-Verfahren
  • Vermögensverluste infolge von Sicherheitslücken
  • Verzögerungen oder Verweigerungen bei der Auszahlung von Geldern
  • Meinungsverschiedenheiten über Gebühren für Transaktionen
  • Die Nichtverfügbarkeit von Diensten in Phasen hoher Volatilität

Unser Team prüft systematisch die Gültigkeit der AGB-Klauseln im Hinblick auf das Schweizer Obligationenrecht und den Verbraucherschutz (IPRG Art. 120 für Verbraucher mit Wohnsitz in der Schweiz).

Smart Contracts und Schweizer Recht

Smart Contracts stellen eine besondere Herausforderung für das traditionelle Vertragsrecht dar. Die Schweizer Rechtsprechung beginnt, ihre Gültigkeit unter den wesentlichen Bedingungen der Vertragsbildung anzuerkennen: freie Zustimmung, bestimmter Gegenstand und rechtmässige Ursache. Die Auslegung des Computercodes als Ausdruck des Willens der Parteien ist eine rechtliche Innovation, die unsere Anwälte aufmerksam verfolgen.

Beweiserhebungs- und Gerichtsstandsprobleme

Vertragsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungen stellen einzigartige Herausforderungen dar. Unsere Anwälte verwenden verschiedene Techniken zur Beweissicherung:

  • Forensische Analyse von Blockchain-Transaktionen
  • Notarielle Beglaubigung von digitalen Wallet-Adressen
  • Technisches Gutachten zum Smart-Contract-Code
  • Dokumentation der Interaktionen mit Tauschplattformen

Die Bestimmung des zuständigen Gerichts und des anwendbaren Rechts beruht auf dem IPRG und den Vertragsklauseln. Die Schweiz mit ihrer günstigen Rechtsinfrastruktur ist ein attraktives Forum für die Beilegung dieser Streitigkeiten.

Häufige Fragen zu Kryptowährungs-Vertragsstreitigkeiten in der Schweiz

Sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer ausländischen Exchange gegenüber einem Schweizer Verbraucher gültig?

Nicht notwendigerweise. Das IPRG (Art. 120) schützt Verbraucher mit Wohnsitz in der Schweiz: Das Recht ihres Wohnsitzstaates ist anwendbar, wenn der Anbieter seine Tätigkeit auf die Schweiz ausgerichtet hat. Gerichtsstandsklauseln in den AGB können für Verbraucher für ungültig erklärt werden. PBM Avocats prüft systematisch die Gültigkeit dieser Klauseln vor der Festlegung einer Strategie.

Kann ein Smart Contract einen gültigen Vertrag nach Schweizer Recht darstellen?

Ja. Das Obligationenrecht schreibt für die meisten Verträge keine bestimmte Form vor. Ein Smart Contract, der eine Willenseinigung über einen bestimmten und zulässigen Gegenstand darstellt, ist grundsätzlich gültig. Das DLT-Gesetz von 2021 hat die Rechtssicherheit gestärkt, indem es eingetragene Wertrechte anerkannte (Art. 973d ff. OR). Im Streitfall stellt die Auslegung des Computercodes als Ausdruck des Willens der Parteien die grösste Herausforderung dar.

Welche Rechtsmittel bestehen, wenn ein ICO-Projekt nicht geliefert hat, was im Whitepaper versprochen wurde?

Je nach Umständen: (1) Vertragsklage wegen Nichterfüllung (Art. 97 OR), wenn das Whitepaper ein Vertragsangebot darstellt; (2) Klage wegen Täuschung oder wesentlichem Irrtum (Art. 28-31 OR), wenn irreführende Informationen die Investition bestimmt haben; (3) Strafanzeige wegen Betrugs (Art. 146 StGB), wenn eine arglistige Täuschung nachgewiesen wird. Die Qualifikation des Tokens (Wertpapier oder nicht) bestimmt auch die anwendbaren FIDLEG-Schutzbestimmungen.

Wie werden Schadenersatz bei gesperrten Krypto-Assets während eines Marktanstiegs berechnet?

Der Schaden umfasst den Wert der Vermögenswerte zum Zeitpunkt der Rückgabe abzüglich des Wertes zum Zeitpunkt der Sperrung, dokumentierte entgangene Investitionsgelegenheiten und Kosten für die Geltendmachung der Ansprüche (Anwaltskosten). Die hohe Volatilität von Kryptowährungen macht diese Berechnung komplex — Schweizer Gerichte stellen in der Regel auf den Wert zum Zeitpunkt des Urteils oder der Auflösung ab, abzüglich des Wertes zum Zeitpunkt der Sperrung (Art. 99-100 OR).

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