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Vorsteuerabzug

Vorsteuerabzug

Vorsteuerabzug und MWST-Rückforderung in der Schweiz

Die Mehrwertsteuer (MWST) stellt eine der wichtigsten Steuereinnahmequellen in der Schweiz dar. Für steuerpflichtige Unternehmen stellt die Beherrschung der Mechanismen des Vorsteuerabzugs und der MWST-Rückforderung eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. Das Schweizer MWST-System weist zwar gemeinsame Grundsätze mit anderen Jurisdiktionen auf, hat aber bemerkenswerte Besonderheiten. Die geltende Gesetzgebung, insbesondere das Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer (MWSTG) und seine Anwendungsverordnung (MWSTV), regelt die Ausübungsbedingungen des Abzugsrechts streng. Unsere Kanzlei begleitet Unternehmen täglich bei der Optimierung ihrer MWST-Verwaltung, unter Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen und unter Nutzung der nach Schweizer Recht konformen Steuerentlastungsmöglichkeiten.

Gesetzliche Bedingungen für den Vorsteuerabzug (Art. 28 MWSTG)

Das Schweizer MWST-System beruht auf dem Grundprinzip der steuerlichen Neutralität für steuerpflichtige Unternehmen. Diese Neutralität konkretisiert sich durch den Vorsteuerabzugsmechanismus. Der Steuerpflichtige kann von seiner eigenen Steuerschuld die MWST abziehen, die ihm von seinen Lieferanten in Rechnung gestellt oder die er auf seinen Importen entrichtet hat.

Vier kumulative Bedingungen müssen erfüllt sein, um das Abzugsrecht zu beanspruchen:

Bedingung Gesetzliche Anforderung Rechtsgrundlage
SteuerpflichtDas Unternehmen muss im MWST-Register eingetragen seinArt. 10 MWSTG
VerwendungWaren/Dienstleistungen für steuerbare Umsätze verwendetArt. 28 Abs. 1 MWSTG
DokumentationKonforme Rechnung mit MWST-Betrag und MWST-Nummer des LieferantenArt. 26 MWSTG
Wirtschaftlicher ZusammenhangDirekter und unmittelbarer Zusammenhang mit der unternehmerischen TätigkeitBGE 138 II 251

Ausschlüsse vom Vorsteuerabzugsrecht (Art. 29 MWSTG)

Der Schweizer Gesetzgeber hat mehrere Situationen vorgesehen, in denen der Vorsteuerabzug ausgeschlossen ist, auch wenn die Anschaffungen mit der wirtschaftlichen Tätigkeit zusammenhängen. Art. 29 MWSTG zählt diese Ausnahmen auf, von denen die wichtigsten sind:

  • Aufwendungen mit Luxuscharakter oder für Unterhaltung
  • Repräsentationskosten über bestimmten Schwellenwerten
  • Aufwendungen für die Anschaffung, den Besitz und den Betrieb bestimmter Fahrzeuge

Abrechnungsmethoden und Rückforderungsoptionen

Die effektive Standardmethode

Die effektive Methode ermöglicht den Abzug der gesamten durch konforme Rechnungen belegten Vorsteuer. Sie ist die präziseste, erfordert aber eine rigorose MWST-Buchführung und die Aufbewahrung aller Belege.

Die Pauschalsteuersatz-Methode für KMU

Um die administrativen Pflichten kleiner und mittlerer Unternehmen zu vereinfachen, bietet die ESTV pauschale Abzugssteuersätze nach Tätigkeitsbereichen an. Diese in Art. 37 MWSTG geregelte Methode ist für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als CHF 5,02 Millionen und einer Steuerschuld von höchstens CHF 109'000 zugänglich.

Methode Vorteile Nachteile Zugangsbedingungen
Effektive MethodeGenaue Rückforderung, optimal bei grossen InvestitionenDetaillierte Buchführung erforderlichAlle Steuerpflichtigen
SaldosteuersatzAdministrative Einfachheit, 2 Abrechnungen/JahrWeniger günstig bei hohen InvestitionenUmsatz < CHF 5,02 Mio.
PauschalsteuersätzeKeine Belege erforderlich, 2 Abrechnungen/JahrBegrenzte SektorenÖffentliche Körperschaften

MWST-Rückforderung bei uneinbringlichen Forderungen

Art. 64 MWSTG sieht einen Berichtigungsmechanismus vor, wenn ein Steuerpflichtiger den gesamten oder einen Teil des Rechnungsbetrags von seinem Kunden nicht einbringen kann. Dieses Verfahren unterliegt strengen Bedingungen:

  • Der Nachweis der Uneinbringlichkeit der Forderung, in der Regel ein Verlustschein
  • Die Einhaltung der Verjährungsfristen
  • Das Fehlen eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Lieferant und Kunde

Der Sonderfall grenzüberschreitender Operationen

Grenzüberschreitende Transaktionen werfen spezifische MWST-Fragen auf. Bei Importen wird die Steuer von der Eidgenössischen Zollverwaltung erhoben und kann anschliessend über die ordentliche MWST-Deklaration zurückgefordert werden, vorbehaltlich der allgemeinen Bedingungen des Abzugsrechts. Exporte sind grundsätzlich mit Recht auf Rückforderung der Vorsteuer von der Steuer befreit. Diese Regel fördert die internationale Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen, erfordert aber eine absolute dokumentarische Strenge zur Begründung der Befreiung.

Rückforderungsfristen und Rückerstattungsverfahren

Das Schweizer Recht legt genaue Fristen für die Ausübung des Abzugsrechts fest. Art. 42 MWSTG stipuliert, dass dieses Recht in der Steuerperiode ausgeübt werden muss, in der die Vorsteuer fakturiert oder bezahlt wurde. Nachholungen sind jedoch innerhalb der fünf Jahre nach Abschluss der betreffenden Abrechnungsperiode möglich.

Wenn der Vorsteuerbetrag die MWST-Schuld auf Verkäufen übersteigt, befindet sich der Steuerpflichtige in einer MWST-Guthabensituation. Die ESTV erstattet dann den Überschuss, in der Regel innerhalb von 60 Tagen nach Einreichung der Abrechnung.

Verfahrensschritt Frist Anmerkung
Ausübung des AbzugsrechtsLaufende Periode oder innert 5 JahrenArt. 42 MWSTG
Rückerstattung MWST-Guthaben60 Tage nach AbrechnungVorbehaltlich ESTV-Kontrolle
ESTV-KontrollfristBis zu 10 Jahre nach der SteuerperiodeAufbewahrung der Belege obligatorisch
Einsprache gegen ESTV-Entscheid30 Tage nach MitteilungArt. 83 MWSTG

Rechtsmittel im MWST-Bereich

Wenn ein Streit mit der ESTV entsteht, stehen dem Steuerpflichtigen förmliche Rechtsmittel gegen die Entscheide zur Verfügung. Das Verfahren umfasst mehrere Stufen:

  • Einsprache bei der ESTV innert 30 Tagen nach Zustellung des Entscheids
  • Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht bei Abweisung der Einsprache
  • Beschwerde beim Bundesgericht als letzte Instanz, vorbehaltlich der Eintretensvoraussetzungen

Unsere Kanzlei sorgt für eine vollständige Vertretung der Steuerpflichtigen auf jeder Stufe, von der Abfassung der Eingaben bis zur Pleadings vor den zuständigen Gerichten.

Häufige Fragen zum Vorsteuerabzug

Was sind die Bedingungen für den Vorsteuerabzug der MWST in der Schweiz?

Vier kumulative Bedingungen müssen erfüllt sein: Das Unternehmen muss MWST-pflichtig sein, die erworbenen Waren oder Dienstleistungen müssen für steuerbare Umsätze verwendet werden, die Vorsteuer muss durch eine konforme Rechnung belegt sein, und der Zusammenhang zwischen dem Erwerb und der unternehmerischen Tätigkeit muss nachgewiesen sein (Art. 28 MWSTG).

Was ist die Frist für die Ausübung des Vorsteuerabzugsrechts?

Das Abzugsrecht muss grundsätzlich in der Steuerperiode ausgeübt werden, in der die Vorsteuer in Rechnung gestellt oder bezahlt wurde. Nachholungen sind innerhalb der fünf Jahre nach Abschluss der betreffenden Abrechnungsperiode möglich (Art. 42 MWSTG). Das Ablaufen der Fünfjahresfrist führt zum endgültigen Verlust des Rechts.

Was ist die Methode der Saldosteuersätze?

Die Methode der Saldosteuersätze (Art. 37 MWSTG) ist eine vereinfachte Methode, die Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als CHF 5,02 Millionen und einer Steuerschuld von höchstens CHF 109'000 zugänglich ist. Sie wendet einen sektoriellen Pauschalsteuersatz an und befreit von einer detaillierten MWST-Buchführung.

Wie kann die MWST auf uneinbringliche Forderungen zurückgefordert werden?

Art. 64 MWSTG ermöglicht eine Berichtigung, wenn eine Forderung uneinbringlich ist. Es muss die Uneinbringlichkeit nachgewiesen werden (typischerweise durch einen Verlustschein), die Verjährungsfristen müssen eingehalten werden, und zwischen Lieferant und Kunden darf kein Abhängigkeitsverhältnis bestehen. Eine rigorose Dokumentation ist unerlässlich.

Bis wann kann die ESTV den Vorsteuerabzug kontrollieren?

Die ESTV hat eine Kontrollfrist von bis zu zehn Jahren nach Ende der betreffenden Steuerperiode. Dies erfordert eine verlängerte Aufbewahrung aller Belege. Bestimmte Sektoren oder Konstellationen (wiederkehrende Überschüsse, wesentliche Änderungen) erhalten besondere Aufmerksamkeit.

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