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Die Verwertung von Gütern bei Betreibung und Konkurs

Die Verwertung von Gütern bei Betreibung und Konkurs

Die Verwertung von Gütern bei Betreibung und Konkurs in der Schweiz

Verwertungsarten von Gütern in der Schweiz

VerwertungsartBeschreibungWann verwendet
Öffentliche VersteigerungFür alle offene Versteigerung, im Amtsblatt angekündigtHauptart — bewegliche Güter, Grundstücke, kotierte Wertpapiere
Freihändiger VerkaufVerkauf an identifizierten Käufer, mit Einverständnis der ParteienKomplexe Güter, verderbliche Güter, spezifische Aktiven (geistiges Eigentum, Beteiligungen)
BlockverwertungAbtretung einer Gesamtheit von Aktiven, die eine wirtschaftliche Einheit bildenKonkurs — Geschäftsbetriebe, Unternehmensteile
Abtretung zum SchätzungswertZuweisung des Guts an den Gläubiger zum SchätzungspreisWenn keine befriedigende Offerte bei der Versteigerung eingeht
Direkte EinziehungDas Amt zieht direkt die Forderungen des Schuldners einGepfändete Forderungen (Mietzinsen, ausstehende Löhne, Konten)

Das Schweizer Rechtssystem bietet einen präzisen Rahmen für die Verwertung der Güter zahlungsunfähiger Schuldner. Dieser Prozess stellt den Abschluss der Zwangsvollstreckungsverfahren dar und ermöglicht den Gläubigern, ihre Forderungen durch den Verkauf der Aktiven des Schuldners zu decken. Ob bei einer ordentlichen Betreibung oder einem Konkurs — die Verwertungsmechanismen unterliegen strengen Regeln, die hauptsächlich durch das SchKG definiert sind. Unsere Anwaltskanzlei begleitet täglich Gläubiger und Schuldner in diesen komplexen Verfahren.

Die Verwertung im ordentlichen Betreibungsverfahren

Im Rahmen einer ordentlichen Betreibung erfolgt die Verwertung der Güter als letzter Schritt nach der Pfändung. Sobald das Betreibungsamt die Güter gepfändet hat, kann der Gläubiger deren Verwertung frühestens einen Monat nach der Vollziehung der Pfändung, spätestens aber innerhalb von einem Jahr verlangen (Art. 116 SchKG). Der Gläubiger muss dem Betreibungsamt ein Verwertungsbegehren einreichen. Das Amt bestimmt dann die praktischen Modalitäten: Datum, Ort, Verwertungsform, Bekanntmachung.

Das Schweizer Recht schützt bestimmte Güter vor der Zwangsverwertung. Art. 92 SchKG zählt die unpfändbaren Güter auf, darunter namentlich Gegenstände, die für die Berufsausübung notwendig sind, unverzichtbare Personalgegenstände und ein finanzielles Existenzminimum. Dieser Schutz soll die Menschenwürde und die grundlegenden Existenzmittel des Schuldners trotz seiner Zahlungsunfähigkeit wahren.

Die Verwertung von Grundstücken

Die Verwertung von Grundstücken bildet oft den finanziellen Haupteinsatz bei Zwangsvollstreckungsverfahren. Das Schweizer Recht regelt diese Verwertung durch spezifische Bestimmungen (Art. 133 bis 143b SchKG für die Betreibung, Art. 257 bis 259 SchKG für den Konkurs). Mehrere Besonderheiten verdienen Beachtung:

  • Die Pflicht zur Erstellung eines Lastenverzeichnisses, das alle auf dem Grundstück lastenden dinglichen Rechte auflistet
  • Die obligatorische Veröffentlichung der Versteigerung im kantonalen Amtsblatt
  • Die Regeln zum Mindestpreis, unterhalb dessen keine Zuschlagserteilung möglich ist
  • Die Behandlung von Dienstbarkeiten und anderen dinglichen Rechten beim Verkauf
  • Die Bedingungen für die Übernahme von Hypothekarschulden durch den Erwerber

Die Verwertung der Aktiven im Konkursverfahren

Die Verwertung von Gütern im Rahmen eines Konkurses weist gegenüber der ordentlichen Betreibung wesentliche Besonderheiten auf. Erstens betrifft sie das gesamte pfändbare Vermögen des Schuldners und nicht nur bestimmte spezifische Güter. Zweitens wird sie von der Konkursverwaltung verwaltet, die entweder das Konkursamt oder eine von den Gläubigern ernannte Sonderverwaltung sein kann.

Die erste Gläubigerversammlung spielt eine entscheidende Rolle im Verwertungsprozess. Sie kann namentlich über den Verwertungszeitpunkt entscheiden, zwischen ordentlicher und summarischer Liquidation wählen und eine Sonderverwaltung ernennen.

Verteilung des Erlöses

Der Verwertungserlös wird nach einem Kollokationsplan auf die Gläubiger verteilt, nach Abzug der Verfahrenskosten. Die Gläubiger werden gemäss ihrer Klasse nach Art. 219 SchKG befriedigt:

  • Pfandgläubiger (Hypotheken, Faustpfand) — vorrangig aus dem Verwertungserlös des belasteten Guts
  • 1. Klasse: Forderungen der Arbeitnehmer (letzte 6 Monate)
  • 2. Klasse: Sozialversicherungsbeiträge
  • 3. Klasse: alle übrigen Forderungen anteilig

Ein allfälliger Überschuss wird dem Schuldner zurückerstattet. Reicht der Erlös nicht aus, erhält der Gläubiger für den ungedeckten Rest einen Verlustschein (Art. 149 SchKG), der während 20 Jahren als Schuldanerkennung gilt.

Häufige Fragen zur Verwertung von Gütern bei Betreibung und Konkurs

Welche Verwertungsart ist bei beweglichen Gütern in der Schweiz am häufigsten?

Die öffentliche Versteigerung ist die vom SchKG vorgesehene Hauptverwertungsart für bewegliche Güter. Sie gewährleistet Transparenz und den Zugang aller potenziellen Käufer. Der freihändige Verkauf ist mit Zustimmung aller Parteien möglich, namentlich bei rasch deprezierenden Gütern oder komplexen Aktiven (Beteiligungen, geistiges Eigentum). Die Abtretung an den Gläubiger zum Schätzungswert ist ebenfalls möglich.

Wann kann die Verwertung gepfändeter Güter verlangt werden?

Die Verwertung kann frühestens 1 Monat nach der Pfändung für bewegliche Güter und Forderungen und frühestens 6 Monate danach für Grundstücke verlangt werden. Der Gläubiger muss das Verwertungsbegehren innerhalb der gesetzlichen Fristen einreichen (in der Regel 2 Jahre), andernfalls wird die Pfändung hinfällig. PBM Avocats überwacht diese Fristen sorgfältig in Genf und Lausanne.

Wie wird der Verwertungserlös auf die Gläubiger verteilt?

Der Erlös wird nach einem Kollokationsplan (Art. 247 SchKG) verteilt, nach Abzug der Verfahrenskosten. Die Gläubiger werden nach ihrem Rang befriedigt: zuerst die Pfandgläubiger (Hypotheken), dann die bevorrechteten Gläubiger (1., 2. Klasse Art. 219 SchKG), schliesslich die nicht gesicherten Gläubiger (3. Klasse) anteilig. Ein allfälliger Überschuss wird dem Schuldner zurückerstattet.

Kann ich den Verkaufspreis anfechten, wenn meine Güter unter Wert versteigert wurden?

Ja, teilweise. Sie können Unregelmässigkeiten im Versteigerungsverfahren anfechten (fehlende Bekanntmachung, Fehler im Lastenverzeichnis, unregelmässige Versteigerungsbedingungen) per Beschwerde (Art. 17 SchKG) innerhalb von 10 Tagen. Eine blosse Unzufriedenheit mit dem erzielten Preis ist hingegen in der Regel nicht ausreichend, wenn das Verfahren regelkonform war.

Was geschieht, wenn der Verwertungserlös nicht ausreicht, um alle Gläubiger zu befriedigen?

Wenn der Verwertungserlös nicht ausreicht, stellt das Betreibungsamt dem Gläubiger für den unbezahlten Rest einen Verlustschein (VLS) aus (Art. 149 SchKG). Dieser Schein gilt als Schuldanerkennung und ermöglicht dem Gläubiger, während 20 Jahren neue Betreibungen einzuleiten, ohne dass die Forderung verjährt. Der VLS wird im Betreibungsregister eingetragen und beeinträchtigt den Ruf des Schuldners.

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