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Rückerstattung und Deklaration der Verrechnungssteuer

Rückerstattung und Deklaration der Verrechnungssteuer

Rückerstattung und Deklaration der Verrechnungssteuer in der Schweiz

Die Verrechnungssteuer in der Schweiz ist ein an der Quelle erhobener Steuermechanismus auf bestimmte Einkünfte, insbesondere Zinsen, Dividenden und Lotteriegerwinne. Dieser Abzug, der in der Regel 35% beträgt, stellt für die Schweizer Steuerverwaltung eine Sicherung gegen Steuerbetrug dar. Für in der Schweiz domizilierte natürliche Personen und juristische Personen mit Sitz auf Schweizer Staatsgebiet ist dieser Betrag nicht definitiv verloren. Die Schweizer Gesetzgebung sieht spezifische Rückerstattungsverfahren je nach Status des Steuerpflichtigen vor.

Rechtliche Grundlagen und Prinzipien der Schweizer Verrechnungssteuer

Die Verrechnungssteuer findet ihren rechtlichen Rahmen im Bundesgesetz über die Verrechnungssteuer (VStG) vom 13. Oktober 1965 und der Vollziehungsverordnung (VStV). Der Standardsatz von 35% gilt für drei Hauptkategorien von Einkünften:

  • Einkünfte aus beweglichem Kapitalvermögen (Dividenden, Zinsen aus Obligationen, Bankguthaben)
  • Gewinne aus Schweizer Lotterien, die einen bestimmten Betrag übersteigen
  • Bestimmte Versicherungsleistungen

Die Besonderheit dieser Steuer liegt in ihrer Rückerstattbarkeit unter bestimmten Voraussetzungen. Es handelt sich nicht um eine definitive Steuerbelastung, sondern um einen Vorschuss auf die ordentliche Einkommens- oder Gewinnsteuer. Das System beruht auf drei Hauptakteuren: dem Schuldner der steuerbaren Leistung (z.B. eine Dividenden ausschüttende Gesellschaft), dem Empfänger der Leistung (dem Anleger oder Einleger) und der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV).

Rückerstattungsverfahren für in der Schweiz ansässige natürliche Personen

Für natürliche Personen mit steuerlichem Wohnsitz in der Schweiz erfolgt die Rückerstattung der Verrechnungssteuer in der Regel über die jährliche Steuererklärung. Der Steuerpflichtige muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Am Ende der betreffenden Steuerperiode in der Schweiz domiziliert sein
  • Die der Verrechnungssteuer unterliegenden Einkünfte korrekt deklarieren
  • Der wirtschaftlich Berechtigte der betreffenden Einkünfte sein
  • Die Verjährungsfrist von drei Jahren für den Rückerstattungsantrag einhalten

In den meisten Kantonen integriert sich der Rückerstattungsantrag direkt in die ordentliche Steuererklärung. Der Steuerpflichtige muss die Beilage zu den Einkünften aus beweglichem Kapitalvermögen ausfüllen, die Belege (Bankbescheinigungen, Kontoauszüge) beilegen und die einbehaltenen Verrechnungssteuerbeträge klar angeben.

Besonderheiten für juristische Personen und institutionelle Anleger

Juristische Personen mit Sitz in der Schweiz profitieren von einem besonderen Rückerstattungsregime. Für Kapitalgesellschaften (AG, GmbH) und Genossenschaften mit Sitz in der Schweiz erfolgt die Rückerstattung über ein spezifisches Formular (Formular 25), das direkt an die ESTV zu richten ist. Die Gesellschaften müssen folgende kumulative Voraussetzungen erfüllen:

  • Ihren Sitz in der Schweiz haben
  • Die mit Verrechnungssteuer belasteten Erträge ordentlich verbuchen
  • Ihre Eigenschaft als wirtschaftlich Berechtigte der Einkünfte nachweisen

Pensionskassen und andere Vorsorgeeinrichtungen können die Verrechnungssteuer auch dann zurückfordern, wenn sie von der Gewinnsteuer befreit sind, unter Vorlage der Steuerbefreiungsentscheidung.

Deklarationsverfahren als Alternative zur Rückerstattung

Das Deklarationsverfahren ist eine Alternative zum klassischen System der Erhebung und anschliessenden Rückerstattung der Verrechnungssteuer. Es gilt hauptsächlich in folgenden Situationen:

  • Dividendenausschüttungen zwischen Schweizer Gesellschaften bei einer Beteiligung von mindestens 20%
  • Dividendenzahlungen an ausländische Gesellschaften, die von Doppelbesteuerungsabkommen profitieren
  • Versicherungsleistungen von Schweizer Gesellschaften
  • Bestimmte Zinsen zwischen Konzerngesellschaften

Im Gegensatz zum Standardsystem vermeidet das Deklarationsverfahren die vorübergehende Bindung von Liquidität. Es erfordert in der Regel eine Voranfrage bei der ESTV, die innerhalb strenger Fristen einzureichen ist.

Übersicht der Rückerstattungsverfahren nach Status des Berechtigten

Status des Berechtigten Verfahren Formular / Vorgehen Antragsfrist
In der Schweiz ansässige natürliche PersonJährliche SteuererklärungBeilage Kapitalerträge der kantonalen ErklärungInnerhalb der Erklärungsfrist
Schweizer juristische Person (AG, GmbH)Direktantrag an ESTVFormular 25 ESTV3 Jahre ab Ende des Kalenderjahres der Fälligkeit
Pensionskasse / VorsorgeeinrichtungDirektantrag an ESTVAngepasstes Formular 25 + Steuerbefreiungsentscheid3 Jahre ab Ende des Kalenderjahres der Fälligkeit
Ausländischer Anleger (mit DBA)Teilrückerstattung via DBALänderspezifisches Formular + Ansässigkeitsbescheinigung3 Jahre ab Ende des Kalenderjahres der Fälligkeit
Ausländischer Anleger (ohne DBA)Keine Rückerstattung nach innerem RechtDefinitive Belastung von 35%

Rückerstattungssätze nach den wichtigsten Doppelbesteuerungsabkommen

Wohnsitzstaat DBA-Satz Dividenden (ord. Beteiligungen) DBA-Satz Dividenden (wesentliche Beteiligung) DBA-Satz Zinsen
Frankreich15%0% (Beteiligung ≥ 10%)0%
Deutschland15%0% (Beteiligung ≥ 10%)0%
USA15%5% (Beteiligung ≥ 10%)0%
Vereinigtes Königreich15%0% (Beteiligung ≥ 10%)0%
Niederlande15%0% (Beteiligung ≥ 10%)0%
Italien15%15%12,5%

Häufige Fragen zur Rückerstattung der Verrechnungssteuer

Wie kann ich die auf meine Dividenden erhobene Verrechnungssteuer von 35% zurückfordern?

Wenn Sie in der Schweiz wohnen und die Dividenden in Ihrer jährlichen Steuererklärung deklariert haben, wird die Verrechnungssteuer von 35% auf Ihre Kantons- und Gemeindesteuern angerechnet oder direkt zurückerstattet. Sie müssen lediglich die Kapitalerträge im entsprechenden Abschnitt angeben und die Bankbescheinigungen oder die von der ausschüttenden Gesellschaft ausgestellten Abzugsbescheinigungen beilegen.

Ich habe vergessen, die Rückerstattung der Verrechnungssteuer zu beantragen: Kann ich sie noch einfordern?

Der Rückerstattungsantrag für juristische Personen und ausländische Berechtigte muss innerhalb von 3 Jahren nach Ende des Kalenderjahres gestellt werden, in dem die Leistung fällig war. Diese Frist ist eine Verwirkungsfrist: Nach ihrem Ablauf ist das Rückerstattungsrecht definitiv verloren. Für in der Schweiz ansässige natürliche Personen ist die Frist in der Regel die der Steuererklärung mit Berichtigungsmöglichkeit.

Was ist das Meldeverfahren und ist es vorteilhaft?

Das Meldeverfahren ermöglicht es, die effektive Erhebung der Verrechnungssteuer auf bestimmte konzerninterne Ausschüttungen zu vermeiden, insbesondere Dividenden einer Tochtergesellschaft an ihre Schweizer Muttergesellschaft (Beteiligung ≥ 20%) oder ausländische (mit Abkommen). Die Gesellschaft meldet der ESTV die Leistung lediglich, ohne Abzug. Dieses Verfahren vermeidet die Liquiditätsbindung durch den Erhebungs-Rückerstattungs-Zyklus und reduziert den Verwaltungsaufwand.

Ich wohne im Ausland: Kann ich die Schweizer Verrechnungssteuer auf meine Dividenden zurückfordern?

Ja, wenn Ihr Wohnsitzstaat ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit der Schweiz abgeschlossen hat. Die Rückerstattung ist teilweise: Sie können die Differenz zwischen dem Verrechnungssteuersatz (35%) und dem reduzierten Abkommenssatz (in der Regel 15% für ordentliche Dividenden, 0-5% für wesentliche Beteiligungen) zurückfordern. Der Antrag muss innerhalb von 3 Jahren an die ESTV gerichtet werden, zusammen mit einer steuerlichen Ansässigkeitsbescheinigung Ihrer nationalen Verwaltung.

Kann PBM Avocats Rückerstattungsanträge für Gesellschaften bearbeiten?

Ja, unsere Kanzlei übernimmt das gesamte Verfahren: Prüfung der Voraussetzungen, Vorbereitung und Einreichung der ESTV-Formulare, Begleitung der Dossiers und Bearbeitung allfälliger Nachfragen. Wir sind für Schweizer juristische Personen, Pensionskassen sowie für ausländische Anleger im Rahmen der Doppelbesteuerungsabkommen tätig, insbesondere von Genf und Lausanne aus.

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