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Geldwäsche und steuerliche Folgen

Geldwäsche und steuerliche Folgen

Geldwäsche und steuerliche Folgen in der Schweiz

Die Bekämpfung der Geldwäsche und ihrer steuerlichen Folgen stellt in der Schweiz, einem Land, das traditionell für seinen Finanzplatz bekannt ist, eine wichtige Herausforderung dar. Der Schweizer Rechtsrahmen in diesem Bereich hat sich erheblich weiterentwickelt, insbesondere unter dem Einfluss des internationalen Drucks und der Empfehlungen der FATF (Financial Action Task Force). Die Schweizer Gesetzgebung stützt sich hauptsächlich auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung (GwG) sowie verschiedene Bestimmungen des Schweizerischen Strafgesetzbuches.

Das qualifizierte Steuerdelikt: Verknüpfung von Steuerrecht und Geldwäsche

Steuerdelikt Vortat zur Geldwäsche? Voraussetzungen
Einfache Steuerhinterziehung (Unterlassung)NeinArt. 175 DBG: nur Verwaltungsdelikt
Steuerbetrug (gefälschte Dokumente) <CHF 300'000Nein (grundsätzlich)Strafdelikt, aber Schwelle nicht erreicht
Qualifiziertes Steuerdelikt (Steuerbetrug >CHF 300'000/Jahr)Ja (seit 2016)Art. 305bis StGB: Vortat zur Geldwäsche
Steuererschleichung (MWST)JaArglistiges Verhalten zur Täuschung der ESTV

Pflichten der Finanzintermediäre nach GwG

Pflicht Inhalt GwG-Referenz
Identifikation des VertragspartnersIdentität des Kunden bei Eröffnung der Beziehung prüfenArt. 3 GwG
Identifikation des wirtschaftlich BerechtigtenFeststellen, wer tatsächlich über die Werte verfügtArt. 4 GwG
Klärung ungewöhnlicher TransaktionenWirtschaftlichen Hintergrund komplexer Geschäfte analysierenArt. 6 GwG
DokumentationspflichtDokumente 10 Jahre aufbewahrenArt. 7 GwG
Meldung an die MROSVerdacht auf Geldwäsche melden (Pflicht, nicht fakultativ)Art. 9 GwG
Sperrung der VermögenswerteVerdächtige Vermögen ab MROS-Meldung blockierenArt. 10 GwG

Schweizer Rechtsrahmen zur Geldwäschebekämpfung

Das Schweizer Anti-Geldwäsche-System beruht auf einem strengen Komplex von Gesetzestexten, dessen Eckpfeiler das Bundesgesetz über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung (GwG) ist. Dieses 1998 in Kraft getretene und regelmässig aktualisierte Gesetz definiert die den Finanzintermediären auferlegten Sorgfaltspflichten.

Art. 305bis des Schweizerischen Strafgesetzbuches stellt die Geldwäsche unter Strafe, die darin besteht, die Ermittlung der Herkunft, die Entdeckung oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln, von denen man weiss oder annehmen muss, dass sie aus einem Verbrechen oder einem qualifizierten Steuerdelikt stammen. Die Strafen können bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder eine Geldstrafe betragen.

Politisch exponierte Personen (PEP)

Besondere Aufmerksamkeit wird politisch exponierten Personen (PEP) gewidmet. Diese Kategorie umfasst:

  • Personen, die im Ausland führende öffentliche Funktionen ausüben (Staatschefs, Minister, hohe Richter)
  • Personen, die in der Schweiz auf Bundesebene führende öffentliche Funktionen ausüben
  • Führungskräfte internationaler Organisationen
  • Nahestehende und Vertrauenspersonen dieser Personen

Geschäftsbeziehungen mit PEP erfordern die Genehmigung der Geschäftsleitung auf hoher Ebene und eine verstärkte periodische Prüfung.

Steuerdelikte und Geldwäsche: die neuere Entwicklung

Seit 2016 stellt das qualifizierte Steuerdelikt eine Vortat zur Geldwäsche dar. Dieser Begriff findet Anwendung, wenn die hinterzogenen Steuern pro Steuerperiode 300'000 Schweizer Franken übersteigen. Diese Gesetzesänderung, die den FATF-Empfehlungen entspricht, hat den Anwendungsbereich der Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung erheblich erweitert. Finanzintermediäre müssen nun nicht nur gegenüber Geldern aus traditionellen kriminellen Tätigkeiten, sondern auch gegenüber Vermögenswerten, die aus erheblichem Steuerbetrug stammen könnten, wachsam sein.

Häufig gestellte Fragen zu Geldwäsche und steuerlichen Folgen

Ab wann gilt eine Steuerhinterziehung in der Schweiz als Vortat zur Geldwäsche?

Seit 2016 stellt ein Steuerbetrug (Verwendung gefälschter Dokumente), der pro Steuerperiode zu einer Hinterziehung von mehr als CHF 300'000 führt, ein qualifiziertes Steuerdelikt dar und ist eine Vortat zur Geldwäscherei gemäss Art. 305bis StGB. Unterhalb dieser Schwelle stellt die einfache Steuerhinterziehung keine Vortat zur Geldwäscherei im internen Schweizer Recht dar.

Was sind die Pflichten der Schweizer Banken gegenüber steuerlich nicht konformen Vermögenswerten?

Die Banken müssen einen risikobasierten Ansatz verfolgen: Risiken qualifizierter Steuerbetrug identifizieren, Steuererklärungen einholen, Plausibilität von Strukturen prüfen. Bei Verdacht auf ein qualifiziertes Steuerdelikt (>CHF 300'000 hinterzogen) sind sie zur Meldung an die MROS (Meldestelle für Geldwäscherei) verpflichtet.

Hat der automatische Informationsaustausch (AIA) das Risiko der Steuergeldwäsche reduziert?

Ja, erheblich. Der seit 2017 mit über 100 Ländern aktive AIA hat die Verheimlichung unversteuerte Vermögenswerte im Ausland erheblich erschwert. Schweizer Banken übermitteln Kontodaten automatisch an ausländische Steuerbehörden, was die Möglichkeiten internationalen Steuerbetrugs reduziert, der eine Vortat zur Geldwäsche darstellen könnte.

Unterliegt ein Schweizer Anwalt dem GwG im Bereich der Geldwäschebekämpfung?

Anwälte unterliegen dem GwG nur dann, wenn sie als Finanzintermediäre tätig sind, d.h. wenn sie Vermögenswerte verwalten, Gesellschaften gründen oder Immobilientransaktionen für ihre Kunden durchführen. Die gerichtliche Tätigkeit und reine Rechtsberatung unterliegen nicht dem GwG. Das Berufsgeheimnis des Anwalts ist im Rahmen seiner typischen Tätigkeit geschützt.

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